Chiara Luce / Life Love Light

«Ein Lichtstrahl für alle»

25.000 vorwiegend junge Menschen aus mehr als 70 Ländern waren laut Polizeischätzungen zur Seligsprechung der 18-jährigen Chiara Luce Badano in Rom dabei, wo sie am Samstag von der Katholischen Kirche seliggesprochen wurde. 180 junge Leute waren aus der Schweiz angereist.

Den Vorsitz der feierlichen Eucharistiefeier mit dem Akt der Seligsprechung im Wallfahrtsort «Madonna del Divino Amore» hatte Erzbischof Angelo Amato, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse.

Die junge Italienern war 1990 nach zweijährigem Leidensweg an einem aggressiven Knochenkrebs gestorben. Schon als Neunjährige hatte sie sich mit ihren Eltern der Fokolar-Bewegung angeschlossen und aus der gemeinschaftlichen Spiritualität viele Impulse für ihr Leben in der Familie, in der Schule und mit Freunden aufgenommen. «Ich habe im Evangelium den Sinn für mein Leben entdeckt», schrieb sie an Fokolare-Gründerin Chiara Lubich. «Ich will nicht Analphabetin im Leben dieses Buches bleiben.» Die Nachricht der unheilbaren Krankheit traf das fröhliche und sportbegeisterte junge Mädchen hart, doch sie machte sich mit unerschütterlicher Zuversicht und tiefem Glauben an die Nähe Gottes auf den Weg. Freunde, Ärzte und Eltern waren immer wieder beeindruckt von der tiefen Freude, die Chiara Badano trotz vieler Schmerzen ausstrahlte und nicht wenige fanden durch ihr Zeugnis zum Glauben.

Der Bischof ihrer Diözese, Livio Maritano, hatte sie in der letzten Phase ihres Lebens begleitet und war betroffen von der Entschiedenheit, mit der sie auch im Leiden aus ihrer intensiven Beziehung mit Gott lebte. Er war es, der den Prozess der Seligsprechung angestossen hatte.

Statement der Eltern

Am Samstagabend, 25. September, hatten dann die Jugendlichen der Fokolar-Bewegung in die Aula Nervi nach Rom eingeladen, um durch Theater, Musik, Zeugnissen von Eltern und Freunden sowie Rezitationen aus Tagebüchern und Briefen von Chiara Badano die junge Selige vorzustellen. Bischof Maritano unterstrich dabei, dass die Kirche zwar oft die «Lehrende» sei, aber in diesem Fall durch das Beispiel von Chiara Badano auch lernen könne. Besonders bewegend für alle waren die Worte der Eltern Badano an die 8000 Anwesenden im Saal und mehr als 20.0000, die den Abend über Grossbildschirme vom Petersplatz aus mitverfolgen konnten. Spontan erhoben sich alle im Saal und brachten durch einen langen Applaus ihre Dankbarkeit zum Ausdruck. Die letzten zwei Jahre mit ihrer Tochter seien trotz aller Schmerzen die schönsten ihres Lebens gewesen, sagte Vater Ruggero Badano gerührt. Sie haben sich sehr getragen gefühlt in den schweren Monaten. Seine Frau fügte hinzu: «Unser Gruss geht vor allem an die Jugendlichen! Chiara hat ihr Leben vor allem für Euch gegeben». Sie erzählte von den letzten Momenten mit ihrer Tochter und schloss: «Chiara wollte Euch die Fackel übergeben. Die Jugendlichen sind die Zukunft, sagte sie. Sie haben nur ein Leben, daraus sollten sie etwas machen!»

Die Präsidentin der Fokoar-Bewegung, Maria Emmaus Voce, sprach zum Abschluss von der Kraft, aus der Chiara Badano gelebt habe: «Die Kraft, die alles verändern kann, ist die Liebe. Wir haben durch Chiara Luce gesehen, wie wichtig es ist, dass wir den Weg gemeinsam gehen.» Die Gemeinschaft mit anderen könne anspornen und Kraft geben, Trost spenden und Mut machen.

Dankgottesdienst

Beim Dankgottesdienst am Sonntag in der Kirche Sankt Paul vor den Mauern erinnerte Hauptzelebrant Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone an die Worte von Papst Johannes Paul II. 1990 in Santiago de Compostela. Er hatte die Jugendlichen ermutigt, keine Angst davor zu haben, heilig zu werden und in ihrem Leben ein hohes Ziel anzupeilen. Chiara Badano sei dafür ein bewundernswertes Vorbild, das man nachahmen könne, sagte Bertone. Sie habe auch unter sehr schwierigen Bedingungen auf ein hohes Ziel gesetzt und sei dabei von Familie und Freunden unterstützt worden. «Gesunde Freundschaften» seien gerade für junge Menschen entscheidend, unterstrich der Staatssekretär des Vatikans. Den Eltern dankte er, weil sie mitgeholfen hätten, «der Kirche ein echtes Juwel eines heiligmässigen Lebens zu schenken.» Sie sei ein Vorbild gerade für die Jugendlichen. Papst Benedikt XVI nannte sie am Sonntag in seiner Ansprache zum Angelus in Castelgandolfo, die in die Paulsbasilika übertragen wurde, einen «Lichtstrahl für alle». Er wünsche sich, dass viele in ihr «ein Beispiel für christliche Kohärenz» fänden, und «sich wie sie in Jesus verlieben und die Schönheit des Lebens entdecken» könnten.

180 aus der Schweiz

Aus der Schweiz waren 180 Jugendliche bei den Feierlichkeiten in Rom dabei. Die 23-jährige Nicole (ZG) sagt: «Diese Tage waren für mich voll von Licht, nachdem ich die letzten Wochen eine schwierige Zeit durchmachte. Ich möchte auf den Aufruf von Chiara Luce antworten. Wir wissen nicht, wie viel Zeit uns bleibt. Doch was zählt - so glaube ich - ist die Liebe in jedem Augenblick.» Und der 19-jährige Lehrling André ergänzt: «Ich gehe selten zur Kirche. Mich hat beeindruckt, dass ein Mensch – Chiara Luce - so viele tausende Menschen zusammenbringen kann. Ich will auch versuchen, meinen Glauben stärker zu leben. Merci für die Offenheit und Aufnahme. Wir hatten eine tolle Stimmung!»


 

Bilder von unserer Reise findest du hier: Bildergalerie «Seligsprechung Chiara Luce».

Und die Live-Übertragung auf deutsch vom Fest «Life Love Light» gibt es hier: Link.

 


 

DVD über Chiara Luce Badano

Wir möchten auf eine DVD hinweisen, die seit einigen Tagen im Verlag Neue Stadt www.neuestadt.ch erhältlich ist. Mit Aufnahmen aus der Heimat von Chiara Badano, Interviews mit Familie, Freunden und dem Klinik-Personal stellt die Regisseurin Amata Calò die junge Selige vor.

 

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